Die Hochwasserkatastrophe hat viele Teile von NRW und Rheinland-Pfalz als auch von Belgien und den Niederlanden schwer getroffen. Auch Tage danach wissen viele Menschen und Unternehmen nicht, wie es weitergehen soll.  In dieser schweren Zeit gilt unser Mitgefühl allen Betroffenen.

Die Finanzverwaltung in Deutschland hat inzwischen zumindest für den steuerlichen Bereich einen sogenannten „Katastrophenerlass“ veröffentlicht, mit dem zahlreiche Erleichterungen ermöglicht werden. Die wichtigen Erleichterungen haben wir für Sie wie folgt zusammengefasst:

 

  1. Aufwendungen für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung und für die Beseitigung von Schäden an dem eigengenutzten Wohneigentum können als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden. Dabei ist das Fehlen einer sogenannten Elementarschadensversicherung unschädlich.

 

  1. Die voraussichtlich entstehenden außergewöhnlichen Belastungen können als Freibetrag im Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigt werden oder im Rahmen der Einkommensteuererklärung deklariert werden.

 

  1. Es können Grundsteuer-Erlassanträge bei der jeweiligen Gemeinde gestellt werden.

 

  1. Fällige oder fällig werdende Steuern können bis zum 31. Januar 2022 gestundet werden. Bei der Nachprüfung der Anträge auf Stundung sind keine strengen Anforderungen zu stellen.

 

  1. Anträge auf Anpassung von Vorauszahlungen auf die Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer dürfen gestellt werden.

 

  1. Von Vollstreckungsmaßnahmen bei bis zum 31. Oktober 2021 fälliggewordenen Steuern soll bis zum 31. Januar 2022 abgesehen werden

 

  1. Vereinfachter Spendennachweis bei Zuwendungen, die bis zum 31. Oktober 2021 zur Hilfe in Katastrophenfällen geleistet werden. Es genügt der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung eines Kreditinstitutes.

 

  1. Verlust von Buchführungsunterlagen:

 

Sind durch das Hochwasser Buchführungsunterlagen vernichtet worden oder verloren gegangen, sind hieraus steuerlich keine nachteiligen Folgerungen zu ziehen. Der Betroffene sollte die Vernichtung bzw. den Verlust zeitnah dokumentieren und so weit wie möglich nachweisen oder glaubhaft machen.

 

  1. Regelungen für Einkünfte aus Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit:

 

  1. Sonderabschreibungen für den Wiederaufbau von Betriebsgebäuden, wenn die Aufwendungen keinen Erhaltungsaufwand darstellen, in Höhe von bis zu 30% im Jahr der Fertigstellung oder in den beiden folgenden Wirtschaftsjahren. Aufwendungen in Höhe von bis zu insgesamt 70.000 Euro gelten ohne weitere Prüfung als Erhaltungsaufwand.

 

  1. Sonderabschreibung bei Ersatzbeschaffung beweglicher Anlagegüter in Höhe von bis zu 50% im Jahr der Anschaffung und in den beiden folgenden Wirtschaftsjahren.

 

  1. Möglichkeit der Bildung von Rücklagen für Ersatzbeschaffungen im Wirtschaftsjahr vor Ersatzbeschaffung

 

  1. Beseitigung von Hochwasserschäden am Grund und Boden können sofort als Betriebsausgaben abgezogen werden.

 

  1. Regelungen für Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung:

 

  1. Auch für den Wiederaufbau von zerstörten Gebäuden gilt die Regelung, dass Aufwendungen, die keinen sofort abziehbaren Erhaltungsaufwand darstellen, in Höhe von bis zu 30% im Jahr der Fertigstellung oder in den beiden Folgejahren im Wege der Sonderabschreibung geltend gemacht werden können.

 

  1. Aufwendungen bis zu einem Betrag von 70.000 Euro gelten ohne nähere Nachprüfung als Erhaltungsaufwand (auch hier zählen die gesamten Aufwendungen, auch wenn sie teilweise von Entschädigungen gedeckt sind).

 

  1. Die Begünstigung zur Wiederherstellung von Gebäuden oder Beseitigung von Schäden an Grund und Boden gilt, wenn mit der Maßnahme bis zum Ablauf des dritten Kalenderjahres nach dem schädigenden Ereignis begonnen wurde.

 

  1. Unterstützungen an Arbeitnehmer:

 

  1. Unterstützungen sind bis zu einem Betrag von 600 € je Kalenderjahr steuerfrei. Der 600 € übersteigende Betrag gehört nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn unter Berücksichtigung der Einkommens- und Familienverhältnisse des Arbeitnehmers ein besonderer Notfall vorliegt. Im Allgemeinen kann bei vom Hochwasser betroffenen Arbeitnehmern von einem besonderen Notfall ausgegangen werden.

 

  1. Die Gewährung von Zinsvorteilen oder Zinszuschüssen für Darlehen sind ebenfalls steuerfrei

 

  1. Arbeitslohnspenden bleiben bei der Feststellung des steuerpflichtigen Arbeitslohns außer Ansatz, wenn der Arbeitgeber die Verwendungsauflage erfüllt und dies dokumentiert.

 

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